Erwin Ditzner: ein Unikat - am Schlagzeug und als Mensch, Interview Teil 1

Warum Deep Purple aus Erwin einen ganz besonderen Schlagzeuger gemacht hat. Und welche Rolle Tauben in Erwins Leben spielen... Hier könnt ihr es erfahren...

Foto Erwin Ditzner

Ich habe mich mit Erwin im Café Prag in Mannheim verabredet. Im Laufschritt eile ich die Planken entlang und sehe, wie Erwin mit großen Schritten das Café betritt. Schick sieht er aus - mit dunklem Mantel - und außergewöhnlich  - mit seiner textilen Eigenheit: der burgunderfarbenen Kappe.

Kurz beschleicht mich die Frage, ob ich vielleicht underdressed bin. Mit meinen Turnschuhen, Jeans und schwarzem T-Shirt sehe ich eher sportlich aus als fein. Aber sofort beruhige ich mich wieder. Denn Erwin und ich treffen uns nicht nur zum Interview sondern auch zum Shooting. Erwin braucht neue Fotos und ich werde sie machen. Also liegen wir kleidungstechnisch richtig.

 

Eine halbe Minute nach Erwin erreiche ich das Café. Ich bin ein bisschen außer Atem - meine Fotoausrüstung ist schwer und ich komme direkt aus Landshut. Puh! Zum Glück bin ich pünktlich. Denn wie ich später erfahre, mag Erwin pünktliche Menschen...

Foto Erwin Ditzner

Christine: "Wir fangen mit deiner Arbeit an, Erwin. Okay?"

 

Erwin nickt und schlürft an seinem Kaffee.

 

Christine: "Welche neuen Platten gibt es von dir?"

 

Erwin: "Aktuell ist immer noch die letzte Platte von Cobody, die Doppel-LP 'Under Cover', die zweite Ditzner Lömsch DUO-LP und die neue LP 'petit' von 'le primitifs', die wir in Strasbourg aufgenommen haben."

 

Christine: "Was beschäftigt dich beruflich im Moment sonst noch?"

 

Erwin: "Vor kurzem war ich mit dem Dixner Twintett in Rumänien. Dort haben wir einen Film vertont. Dann gab es zum zweiten Mal im Heidelberger Schloss die Theateraufführung von Romeo und Julia. Zusammen waren wir da 3 Musiker, die die Aufführung musikalisch umrahmt haben. Außerdem spiele ich 2 x die Woche bei Jazz am Neckar. Und ich habe mit 56 bei den Darmstädter Jazz Conceptions den ersten Workshop meines Lebens gegeben." (Erwin lacht).

 

Christine: "Was war das Thema deines Workshops?"

 

Erwin: "Zuerst war das Ohr, dann die Note."

 

Christine: "Weil du Autodidakt bist und selbst nach Gehör spielst?"

 

Erwin: "Ja, ich komme aus einer Zeit, in der Bands die Stücke gemeinsam erarbeitet haben. Bei dieser Arbeitsweise ist das Hören extrem wichtig."

 

Christine: "Und wie machst du es heute, wenn du Teil eines Ensembles bist, das nach Noten spielt?"

 

Erwin: "Bei dem Ballett 'Farewell', das hier in Mannheim aufgeführt wurde, war es zum Beispiel so. Eines der Stücke war von John King (US-amerikanischer Komponist). Ich habe mit John King geskypt, dann wusste ich, was ich zu spielen hatte... Ich muss Stücke einfach hören, wie Buddy Rich (US-amerikanischer Jazz-Schlagzeuger) der immer jemanden engagierte, der ihm vorspielte. Dann hat er die Stücke nachgespielt. Nur viel geiler."

 

Stichpunkte zu Erwin Ditzner

Christine: Ich glaube, deine Fans würden dich auch gern privat ein bisschen besser kennen lernen. Meine Fragen werden jetzt also persönlicher. In Ordnung?"

 

Erwin: "Ja, klar."

 

Christine: "Wie kamst du zum Schlagzeug?"

 

Erwin: "Mein Vater spielte in einer Band und hat mir, als ich 10 Jahre alt war, ein altes Set mitgebracht. Das war ein Vorkriegsmodell und hatte noch Naturfell - eigentlich unspielbar." (Erwin lächelt und schüttelt den Kopf.)

 

Christine: "Hattest du dann unterricht?"

 

Erwin: "Nein. Ich habe mir alles selbst beigebracht. Und deshalb spiele ich auch das Schlagzeug - obwohl ich Rechtshänder bin - linksrum."

 

Christine: "Wie kam es dazu?"

 

Erwin (lacht): "Ich hatte ein Poster von Deep Purple in meinem Zimmer. Auf dem Poster war natürlich auch Ian Paice mit dem Schlagzeug. Ian Paice ist Linkshänder und dementsprechend war auch sein Schlagzeug aufgebaut. Nur wusste ich das damals nicht. Ich dachte, ein Schlagzeug gehört einfach so. Erst zwei Jahre später, als ich bei einem Freund eingeladen war, der auch Schlagzeug spielte, habe ich bemerkt, dass ich da was falsch gemacht habe."

 

Christine: "Du hast gesehen, dass dein Freund sein Set spiegelverkehrt aufgebaut hat."

 

Erwin: "Genau. Zuerst dachte ich mein Freund hätte einen Fehler gemacht. Aber nachdem er mir erklärt hat, dass sein Lehrer es ihm so beigebracht hatte, wusste ich, dass es bei mir nicht stimmt."

 

Christine: "Trotzdem hast du es so beibehalten..."

 

Erwin: "Ja, ich dachte nämlich - was vielleicht ein Fehler war oder vielleicht auch nicht - ich kann jetzt schon so viel. Ich habe jetzt schon 2 Jahre so geübt. Ich kann mich nicht mehr umtrainieren."

 

Christine: "Wie hast du dir das Spielen eigentlich beigebracht?"

 

Erwin: "Über's Hören. Ohne Noten. Ich habe mit Kopfhörern getrommelt und nachgespielt. Ich wusste auch nicht, wie die Bewegungsabläufe sind. Es gab ja noch kein 'YouTube'. Bestimmt habe ich auch nicht immer alles richtig gehört. Aber daraus hat sich meine unorthodoxe Spielweise entwickelt."

 

Foto Erwin Ditzner

"Ich bin ein totaler Vogel-Typ!"                Erwin Ditzner

 

Christine: "Welchen Beruf hättest du gewählt, wenn du nicht Musiker geworden wärst?"

 

Erwin: "Dann wäre ich gerne Ornithologe geworden." (Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. Ich muss gestehen, ich bin überrascht. Über die Schnelligkeit, mit der die Antwort kam und über die Antwort selbst.)

 

Christine: "Gibt es dafür einen Grund? Ein Ereignis oder eine Geschichte, die deinen Berufswunsch Plan B erklärt?"

 

Erwin: "Ich habe als Kind Brieftauben gezüchtet." (Erwin grinst.)

 

Christine: "Was für ein außergewöhnliches Hobby! Wie alt warst du da? Und wie viele Tauben hattest du?" (Die Fragen sprudeln nur so aus mir heraus, denn auch ich mag Tauben und generell Vögel sehr.)

 

Erwin: "Das war so von 10 bis 15. Bis mich als Teenager nicht mehr die Tauben sondern die Täubchen interessiert haben." (Erwin schmunzelt). "Zu meiner intensivsten Zeit als Jungzüchter hatte ich so an die 100 Tauben."

 

Christine: "100 Tauben! Das ist ja eine ganze Menge. Wo hattest du denn deinen Taubenschlag? Es ist ja sicher nicht so einfach 100 Tauben unterzubringen."

 

Erwin: "Mein Opa hatte einen Bauernhof. Dort habe ich für meine Tauben den Dachstuhl selbst ausgebaut und mir dabei einige Blessuren und Schrammen eingehandelt."

 

Christine: "Die Tauben waren wirklich deine Leidenschaft."

 

Erwin: "Ja. Ich war als Jungzüchter auch ziemlich erfolgreich und hatte gute Platzierungen mit meinen Tauben."

 

Christine: "Was hat dir an den Brieftauben besonders gefallen?"

 

Erwin: "Sie sind frei und kommen doch zu dir zurück."


Erwin hat immer eine große Tasche bei sich. Diese Dinge dürfen darin nie fehlen...

- eine Stirntaschenlampe

- ein kleine Kanister mit Magenbitter

- ein Schweizer Taschenmesser


Christine: "Erwin, hast du eigentlich eine bestimmte Lebensphilosophie?"

 

Erwin: "Die habe ich. Und zwar gibt es da einen Satz, den ich gelesen habe, als ich in Afrika war und gerade die Malaria hinter mir hatte. Diesen Satz finde ich ziemlich gut..."

Was das für ein Satz ist und welche beiden Lebenswege sich Erwin für seine Zukunft vorstellen kann, erfahrt ihr im zweiten Teil des Interviews. Außerdem gibt es dann auch das Video mit den 10 FFs!

Bis bald!

Christine


Fotos, Text und Grafik: Christine Lang

Herzlichen Dank an: Erwin Ditzner. Es ist schön, dich zu kennen.


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Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Brigitte Uhrmann (Dienstag, 02 August 2016 10:22)

    Großartige Fotos, Christine.
    "Sie sind frei und kommen doch zu dir zurück", das spricht mich auch besonders an.
    Und nach den weit gefächerten Informationen bin ich sehr gespannt auf Teil 2.

  • #2

    Mareike Schiemann (Dienstag, 02 August 2016 17:36)

    Was für ein außergewöhnlicher und total symphatischen Mensch, der Erwin.
    Es begeistert mich immer wieder sehr zu entdecken, welche Geschichten hinter einem Menschen stecken.

    Danke Christine, dass Du uns mit solchen Beiträgen bereicherst.


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